Gold für die „Lille Vind“ beim Fahrtenwettbewerb 2023/2024 in der Kategorie Küste
Für meine Segelreise von Berlin nach Lysekil in Schweden im Jahr 2024 wurde mir am 18.10.2025 in Hamburg, im Rahmen des Fahrtenwettbewerbes vom Deutschen Seglerverband diese besondere Auszeichnung übergeben.
Ich bedanke mich bei allen Mitseglern für ihre Unterstützung, bei der schwedischen Obfrau Karin für ihre Einladung zur Schwedischen Meisterschaft und für alle, die bei der Vorbereitung dieser besonderen Segelreise geholfen haben.
Für diese Reise habe ich neben der Goldmedaille des DSV, Bronze in der Kategorie Küste vom Berliner Seglerverband bekommen, den Seeseglerpreis meines Segelvereines, der Seglervereinigung Havel in Berlin und einen Preis für die beste Reise in „diplomatischer Mission“ von der Deutschen IF-Boot Klassenvereinigung.
Den Bericht zum preisgekrönten Segeltörn findet ihr auf unsere Website unter https://www.if-boot.de/index.php/fahrten/wettbewerb/516-fahrtensegelwettbewerb-2024-von-marina-heine
Damit mich alle etwas besser kennenlernen, habe ich im Folgenden meine seglerischen Wurzeln zusammengefasst.
Eine Seglerin mit Leidenschaft - Eure Obfrau stellt sich vor
Begonnen hat alles in Friesland, NL. Da habe ich als Jugendliche an mehreren Segelurlauben auf holländischen Plattbodenschiffen teilgenommen.
Kurz gesagt. Ich war umgehend hin und weg. Alles an diesen Reisen hat das Segelfeuer in mir entfacht. Die Arbeit im Team, ob auf Deck oder in der Kombüse, beim Landgang oder bei Einkäufen, der Geruch der dunkelbraunen Segel, die geschmierten Kettenglieder der Ankerkette, das grobe Tauwerk, an dem wir immer zu mehreren zogen, das Knirschen der Seitenschwerter, wenn wir es in Lee absenkten und in Luv aufholten, das Gefühl so ein großes Schiff mit der Pinne zu steuern, die sternenklaren Nächte an Deck, all das und sicher noch mehr, hat dazu geführt, dass sich die Segelei in meinem Leben immer mehr verankert hat.
Ich erinnere mich an wunderschöne kleine Hafenstädtchen, wie Enkhuizen und Stavoren, Durchfahrten durch Friesland auf Kanälen, Brücken, die sich öffnen, damit man mit stehendem Mast hindurchfahren kann, das Heeger und das Sneeker Meer und natürlich das Watt, auf dem man so herrlich trockenfallen und auf dem Meeresboden herumlaufen kann, bis die Flut wieder kommt und das Schiff wieder schwimmt in Richtung Schiermonnigoog, Terschelling oder Vlieland.
Insofern habe ich nicht die klassische Segelerfahrung in Optis und Laserjollen gemacht, was auch kein Wunder ist mit einem Wohnort in Oberhausen im Herz des Ruhrgebietes.
Während meiner Gärtnerlehre in Essen war ich immer, wenn sich die Gelegenheit bot, in Holland segeln. Mit Jugendgruppen in Uitwellingerga, wo wir mit Segeljollen das Umfeld erkundeten. Mit Freunden auf einem Cornish Crabber und dann doch noch mit einer Laserjolle, mit der ich anfänglich mehr gekentert als gesegelt bin.
Doch dann musste ich mich von meinem geliebten Friesland mit seiner maritimen Flagge mit ihren sieben roten Seerosen, verabschieden, weil ich gerne Landschaftsplanung an der TU Berlin studieren wollte. Also zog ich um, ins wie ich damals dachte, segellose, kontinentale Binnenland.
Die Wende kam, als ich in meinem Praktikumsbüro einen Segler kennenlernte, dem ich mein Leid, dass ich in Berlin nicht segeln kann, klagte.
Er hatte gleich mehrere Lösungen für mich parat. Eine Segelkooperative in Berlin, die sich mehrere Segelboote teilte und das Team Seesegeln der technischen Fachhochschule, dass Segelausbildungstörns für den heutigen Sportküstenschifferschein auf der Ostsee anbot.
In die Segelkooperative bin ich bei einem jährlich stattfindenden Segeltreffen an der Müritz in Sietow-Dorf umgehend eingetreten. Die Boote waren dabei. Ein 15er Jollenkreuzer, der auf eigenem Schwert durch 16 Schleusen von Berlin an die Müritz gesegelt wurde und der Schwertzugvogel „Elke“ von der Linnekuhl-Werft am Steinhuder Meer, den wir auf dem Trailer hergebracht hatten. Zusätzlich gab es einen Tornado in Gotthun, der dort seinen Dauerliegeplatz hatte, weil wir festgestellt hatten, dass das Segelrevier in Berlin für diesen schnellen Katamaran zu klein ist.
Die Idee, verschiedene Boote mit mehreren Leuten zu unterhalten, zu pflegen und zu segeln fand ich so gut, dass ich der Kooperative ca. 30 Jahre die Treue gehalten habe. Dabei habe ich viel über Bootspflege und -reparaturen gelernt und natürlich auch über die Dynamik von Gruppen, bei denen die Ziele der Mitglieder ggf. nicht immer übereinstimmen.
Das Team Seesegeln der technischen Fachhochschule brachte mich zum Hochseesegeln an der Ostsee und ich habe bei den Törns viele schöne Ziele, wie die östlichen schwedischen Schären, die Alands und sogar die Shetlands entdeckt. Nach einigen Ausbildungstörns, die ich als Teilnehmerin mit gesegelt bin, wurde ich bei einigen Törns Coskipperin und nachdem ich ein neues Fahrtgebiet, den Englischen Kanal initiiert habe, fuhr ich als Skipperin auf einer nagelneuen Bavaria 50 von Amsterdam nach Plymouth, wo uns die nächste Crew abgelöst hat, die den Ärmelkanal überquerte und von Frankreich über Belgien zurück nach Holland segelte.
Das Team Seesegeln gibt es noch heute mit den beiden Fahrtgebieten Ostsee (Schweden und Norwegen) und Ärmelkanal, die sich jährlich abwechseln.
Zwischenzeitlich wollte ich gerne mein Fahrtgebiet erweitern und mir den Atlantik erschließen und buchte mir ein Ticket nach Horta auf die Azoren. Der Plan war, auf dem Campingplatz zu zelten und auf ein passendes Boot nach Deutschland, Holland oder Frankreich zu warten.
Und der Plan ging auf. Ich fand einen sehr sympathischen Segler aus England, der mir in der besten Kneipe im Nordatlantik “Peter‘s Café Sport“ eine Koje nach Plymouth anbot: Well, I can take you to England.
Nachdem ich David und sein Boot, eine Sadler 34 kennengelernt hatte, sagte ich diesem Segler zu, der kurz zuvor einhand aus Miami auf die Azoren gekommen war. Wir sahen uns vorab noch Sao Jorge und Terceira an, verproviantierten dort, vor Anker liegend, für die Überfahrt zu den Scilly Islands und stachen in See. Nach 14 Tagen fiel der Anker zwischen Tresco und Bryher und eine überaus spannende, stürmische und herausfordernde Segelreise, bei der ich jeden Tag etwas Warmes auf den Tisch brachte, war fast beendet, bis auf die, im Vergleich fast beschauliche Weiterfahrt nach Plymouth, das wir kurz darauf mit einer Zwischenstation in Falmouth erreicht haben.
In den nächsten Jahren war ich bei ihm gern gesehener Gast für Segelreisen entlang der englischen Südküste, auf dem Ärmelkanal und an den bretonischen Süd-, West- und Nordküsten.
Und dann folgte eine Zeit, in der ich vornehmlich Schwertzugvogel auf der Unterhavel segelte und Paddeltouren in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern unternahm. Dies z.B. auf der Havel bis Havelberg, der Peene, der Müritz, der Warnow, der Uecker, der Recknitz und vielen anderen Flüssen und Seen. Wenn der Wind passte auch unter dem kleinen Gaffelsegel und der Fock des RZ 85, einem Reisezweier der Fa. Pouch Faltboote. Also doch wieder Segeln….
Im Jahr 2015 hatte ich die Idee an einer Flotillenfahrt in die Dänische Südsee mit Nordischen Folkebooten von Arnis aus, teilzunehmen. Das habe ich 2016 gleich wiederholt und es war überaus lehrreich mit Nicolas Thon, der mit seinem Folkeboot „Frieda“ den Törn Rund Fünen begleitet hat.
2017 bot sich dann die Chance, ein ehemaliges Charterboot, welches ich vorher schonmal gesegelt hatte, zu kaufen. Ein rotes IF-Boot mit dem wunderbaren Namen „Lille Vind“.
Ich habe wenig überlegt und zugesagt und seitdem segle ich mit ihr auf der Ostsee, in den Boddengewässern, in Dänemark und Schweden und ich hoffe, dass ich das noch lange tun kann.
Nur einmal, als ich sie nach Berlin mitgenommen habe, hat sie sich beschwert und mir gesagt, dass sie sich im Binnenrevier nicht wohl fühlt. Da habe ich zugehört und nun hat sie einen wunderbaren Liegeplatz in der Hansestadt Stralsund und ich habe extra für sie ein neues Revier ins Leben gerufen; das Revier „Boddengewässer und Rügen“.
Marina



