Wetterberichte können irren. Manchmal ist das gut, manchmal nicht.

Zur ersten, zur guten Variante: Viele Wetterberichte hatten für unser Treffen leichten Dauerregen über den ganzen Tag vorhergesagt. Aber schon bei der Steuermannsbesprechung hatte sich der frühe Nieselregen verzogen und später kam sogar die Sonne heraus, so dass wir - wie in den vergangenen Jahren - blauen Himmel, weiße Wolken und den wunderbaren Blick auf die Segelboote auf Unterhavel und Wannsee genießen konnten: Impressionistische Max-Liebermann-Idylle vom Feinsten!

Wir waren wieder zu Gast im WaCK, der an diesem Tag seine Clubregatta abhielt, aber uns mit einem separaten Start für IF-Boote teilhaben ließ. Reinhard Vogel, der Wettfahrtleiter, hatte einen ansprechenden Kurs ausgegeben und so ging es am späten Vormittag los.

Wegen einiger Absagen waren leider nur 5 IF-Boote am Start. IF-Circe fuhr als einziges Boot einhand. Kurz vor dem Start verhakte sich hier die Vorschot am Mast und bis sie wieder klariert war, hatten sich die anderen IF-Boote längst über die Startlinie auf- und davongemacht. IF Circe fuhr in deutlichem Abstand hinterher.

Na, das fängt ja gut an, dachte sie sich.

IF Rød Grød fuhr hoch am Wind in Richtung Kälberwerder, die anderen IFs hinterher, aber alle mit deutlich weniger Höhe. Seltsam, da stimmte doch etwas nicht? IF Circe hatte keine Zeit zu grübeln, wendete, fuhr eigene Wege und schob sich wieder etwas in das allgemeine Feld hinein, dann, wieder auf eigenen Wegen und mit viel Kleinarbeit, auch Meter für Meter weiter nach vorn.

Als Wendetonne in Luv für die erste Kreuz hatte Reinhard Vogel die sog. „Untiefen-Bake“ östlich von Kälberwerder bestimmt, eine rote Tonne, hinter der es sehr schnell sehr flach wird. Deswegen kamen in der Steuerleutebesprechung vorsichtige Zweifel auf. Doch die lapidare Antwort lautete, die Tonne einfach in nicht mehr als 2 Meter Abstand zu runden. So simpel, so gut, und so taten wir, was wohl viele uns zuvor noch nie getan hatten, und lasen zum ersten Mal die Schriftzeichen auf der Rückseite der Tonne: WSA-WHV Nr. 412. Oh, wunderte sich IF Circe, eine Tonne des Wasser- und Schifffahrtsamts Wilhelmshafen? Man lernt nicht aus beim Regattafahren.


Auf dieser und der nächsten Kreuz war IF Rød Grød nicht einzuholen. Rød Grød war schon kurz nach dem Start wundersam weit vorausgefahren. Nach der zweiten Kreuz ging dann sein gelb-schwarzer Spinnaker hoch und wurde in Richtung Horizont immer kleiner.

Nun, die anderen IF hatten auf das Setzen des Spinnakers verzichtet, auch IF Circe. Auf der langen Fahrt vor dem Wind bis zur Insel Lindwerder kamen ihr die anderen IF-Boote streckenweise wieder näher. Sie hatten ihre Genua ausgebaumt und den zweiten Mann auf das Vordeck zum Trimmen geschickt. All das ging bei IF Circe nicht. Hier stieg die Spannung, hier hieß es einfach nur: Jetzt bloß keine Fehler machen!

Nach langer Kreuz zurück ging es schließlich auf die Ziellinie vor dem WaCK, je nach Risikoappetit und Ortskenntnis in einem mehr oder weniger weiten Bogen um eine hässliche Untiefe herum, die schon ganz zu Beginn das Startboot erwischt hatte. Sie ist übrigens nicht in allen Karten vermerkt.

Danach auf dem Gelände des WaCK in heiterer Runde bei Bier und Wein zusammenzusitzen, Grillwürstchen und Salate zu verspeisen und angeregt über die IF-Welt und viele sonstige Dinge zu parlieren, das Ganze bei bestem Wetter in spätsommerlicher Wärme, zum Teil auch bei Gitarrenklängen, all das sorgte für beste Stimmung.

Herzlicher Dank sei dem WaCK, insbesondere dem Wettfahrtleiter Reinhard Vogel, gesagt, und Uwe Mann, der wieder großen Anteil an den Vorbereitungen hatte.

Vielleicht dürfen die IF-Boote nächstes Jahr wiederkommen?

Und warum ist es manchmal nicht so schön, wenn der Wetterbericht irrt? Entgegen Wettervorhersage und Regenradar kam IF Circe bei der Rückfahrt vom WacK am späten Nachmittag in heftigsten Regen. Der Himmel wurde tiefschwarz, es wurde dunkel, Böen fegten plötzlich aus der Gegenrichtung und es fing an zu schütten.

Aber konnte dies die Erinnerung an diesen schönen Tag trüben? Nein, auch - oder gerade? - gemessen an den Litern Regenwasser war es einfach ein wunderschöner Tag!

IF Circe strahlte noch am Tag darauf. War es ihre Erinnerung? Oder war es nur die intensive Regendusche, die das Deck sauber gespült hatte? Da lag sie nun: Sauber, segelfreudig, klassisch elegant, ruckte an den Leinen, wieder bereit zur nächsten Ausfahrt, bereit, andere IF zu treffen.


Andreas Metzenthin