Tiere an Bord

 1. Wir ankerten mit der "Caringa" im Swendborgsund vor Trönse bei schönem Sommerwetter. An einem Morgen, es dämmerte noch, hörten wir ein leises Klopfen an der Bordwand, mal im vorderen Rumpfbereich, dann etwas weiter Achtern. Mal Lauter, dann wieder Leise, ein Klopfen von mir gegen die Innenwand des Rumpfes ließ das Geräusch sofort verstummen, nach kurzer Zeit von Neuem: Klopf, klopf, klopf!!! Ich verließ meine Koje und sah nach Draußen, nichts war zu sehen, nur das Klopfen begann wieder unregelmäßig. Meine Neugierde war geweckt, wollte ich doch nun wissen, woher die Geräusche kamen, zog mir den Jogginganzug über und kletterte in die Plicht. In der Ankerbucht war alles still, keine Geräusche von der nahen Bootswerft, kein Autoverkehr an Land, ein stiller Morgen. Nun sah ich die Klopfer, es waren eine Entenfamilie mit Jungen welche am Rumpf mit den Schnäbeln die am Rumpf angetriebenen Insekten abpickten.

 2. Im Hafen von Gislövs-Läge in Schweden bekamen wir Besuch von "Peter", leider ein unangemeldeter Gast, er springt vom Wasser mit einem Satz an Bord und tippelt ganz gemütlich Richtung Plicht und sucht nach essbaren Resten der Mülltüte. "Peter" wird von den Fischern so genannt, er ist eine Sie und ein ausgewilderter Nerz, auch Mink genannt. Umweltschützer hatten vor Jahren aus einer Nerzfarm viele Tiere freigelassen welche schnell verwilderten und über Südschweden sich verteilen konnten. Eine Woche später von Kopenhagen Richtung Bornholm segelten wir durch den Falsterboekanal. Der kleine Nothafen im Kanal war zur Übernachtung gut geeignet, ein paar Fischkutter und Segler lagen dort im Päckchen. Drei Minks sahen wir von Fischkutter zu Kutter springen, Heringe waren genug vorhanden, sie schmatzten, dann wurde der Spieltrieb geweckt, sie hüpften behände von Boot zu Boot, auch wir wurden nicht ausgelassen. Wenn man ihnen zu Nahe kam, fauchten die kleinen Räuber.

 3. In Ystadt bekamen wir des Nachts Besuch von einer sehr großen Ratte, sie war über den Festmacher zu gelaufen und nach Verscheuchen den gleichen Weg zurück. Nun wissen wir auch, warum die Kümos und Kreuzfahrtschiffe runde Bleche an die Festmacher binden, als Rattenschutz.

 4. Mein größtes Erlebnis mit Tieren auf See erlebte ich auf dem Tourn, Nonstop von Finkenwerder nach Bergen in Norwegen: In der zweiten Nacht auf See wurde ich morgens um fünf Uhr von meiner Freiwache durch den Ruf des Eigners der SY- Nadine durch den Ruf: "Blas, Blas, Blas" aus meinem Schlaf gerissen. Wir standen auf der Höhe der Doggerbank bei zwei Windstärken aus West, einer leichten Dünung und guter Sicht. die Wassertiefe betrug ca. zweihundert Meter. Ich kroch schnell aus meinem Schlafsack, Segelschuhe angezogen, Jacke gegriffen, an Deck. Ganz in unserer Nähe sahen wir sechs große schwarze Rückenflossen ganz langsam entgegen dem Uhrzeiger einen Großen Kreis zu ziehen. Nun sahen wir auch die weißen Rumpf-Flächen aus dem Wasser blitzen. Der Kreis wurde immer kleiner, die Orcas schwammen nun schneller, nach ein paar Minuten kochte das Wasser, zwei oder drei Tiere schlugen mit den Schwanzflossen wie wild aufs Wasser, danach trat Ruhe ein, das große Fressen und Schmatzen begann. Plötzlich, woher die Tölpel, Möwen und andere Seevögel kamen, war uns unerklärlich. Sie stürzten sich mit großem Geschrei ins Wasser, nach einer Stunde war der Spuk zu Ende, die Killerwale waren abgetaucht, ein paar Möwen ließen sich aufs Wasser nieder, wir zogen auch weiter gen Norden.

 Seglergrüße Fritz